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"Im Fadenkreuz: Kuba"
von Horst Schäfer

Im Fadenkreuz: Kuba

Aktuelle Projekte

Milchprojekt Yateras und Imías -
Projektvorstellung

(Auch zum downloaden als pdf-Dokument.)

Ort:
GENT Yateras (Kreis Yateras) und GENT Imías (Kreis Imías), Provinz Guantánamo, Republik Kuba

Titel:
Diversifizierung der Tierproduktion in verschiedenen Ökosystemen in zwei Kreisen der Provinz Guantánamo: Yateras und Imías

Laufzeit:
3 Jahre (1. Januar 2007 - 31. Dezember 2009)

Projektpartner:
Kubanische Vereinigung für Tierproduktion (ACPA) und Cuba Sí, AG der Linkspartei.PDS

Projekthaushalt:
300.000 USD
Dieser Betrag wird von Cuba Sí zu 100% aus Spendenmitteln erbracht.

Projektziele:

  • Allgemeines Ziel:
    Erhöhung und Stabilisierung der Milchproduktion mittels Verbesserung der Futtermittelversorgung und der Arbeitsbedingungen der Beschäftigten sowie durch die Entwicklung produktiver Systeme im staatlichen und genossenschaftlichen Sektor und eine Diversifizierung der Produktion.
  • Spezifische Ziele:
    Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiter und Genossenschaftler, Weiterbildung und Einführung von Modellen für ein nachhaltiges Management produktiver Agrarsysteme unter verschiedenen Klimabedingungen.

Beschreibung der Projektumgebung

Die Provinz Guantánamo ist die östlichste Provinz des Landes. Sie untergliedert sich in 10 Kreise. Das Projekt erstreckt sich auf zwei dieser Kreise - Yateras und Imías. In diesen beiden Kreisen leben insgesamt 41.525 Einwohner, davon sind 5.161 Kinder unter 7 Jahre.

Die Landwirtschaft ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor Guantánamos. Probleme in der Futtermittel- und Wasserversorgung, Dürren, Bodenversalzung sowie die starke Fluktuation der Arbeitskräfte führten in den letzten Jahren immer wieder zu drastischen Produktionsausfällen.

Fläche der Provinz: 6.184,5 km2 (Kuba: 110.860 km2)
Einwohnerzahl der Provinz: 512.200 Einwohner (Kuba: 10,9 Mio.)
Bevölkerungsdichte: 83,4 Einwohner/km2 (Kuba: 100 Einwohner/km2)

Kreis Yateras:

Der Kreis Yateras befindet sich im Norden der Provinz und bildet einen Teil des Bergmassiv Sagua-Nipe-Baracoa. Der Norden der Provinz gehört zu den regenreichsten Regionen Kubas mit 3.600 mm/Jahr. In diesem Kreis wird der Schwerpunkt des Projektes liegen. Der Kreis hat eine Fläche von 671 km². Wichtige landwirtschaftliche Produktionszweige neben der Tierproduktion sind der Anbau von Kaffee und Kakao.

Die Tierproduktion des Kreises wird von dem Betrieb GENT Yateras organisiert. Von dem Projekt werden hier 41 Stallanlagen profitieren, die teilweise neu errichtet werden.

Alle in Kuba üblichen landwirtschaftlichen Produktionsformen sind in dem Projekt integriert. Der größte Anteil entfällt auf die staatliche Granja Felicidad mit 29 Stallanlagen. Die anderen Stallanlagen gehören zu den Produktionskooperativen (UBPC) La Guira, Campo Hermoso und Bernardo sowie zu den Privatbauern-Kooperativen CPA Alexander Stambolicky und der CCS.

Kreis Imías:

Der Kreis Imías befindet sich im südlichen Teil der Provinz, im so genannten Südküstenstreifen. Er gehört zu den trockensten Regionen des Landes und hat besonders stark mit Dürren und Versalzung der Böden zu kämpfen. Die Tierproduktion obliegt dem Betrieb GENT Imías.

Im Tal von Imías wird durch das Projekt eine experimentelle Ziegen- und Schafstallanlage entstehen. Das Tal bietet vier Vorteile: einen mächtigen Grundwasserleiter, ausreichend starke Winde zum Einsatz von Windrädern, hohe Sonneneinstrahlung zum Betrieb unterschiedlicher Solarsysteme z.B. zum Pumpen von Wasser und fruchtbare Böden.

Begünstigte des Projektes:

Direkt Begünstigte des Projektes sind die 256 Arbeiter in der Tierproduktion in den beiden Kreisen.

Indirekt begünstigt werden 2.531 Kinder, die während der 3-jährigen Projektlaufzeit täglich die Milch bekommen werden, die durch das Projekt produziert wird.

Zielstellungen

Im Mittelpunkt des Projektes steht die Tierproduktion im Kreis Yateras. Durch die finanziellen Möglichkeiten, die das Projekt bietet, werden mehrere Stallanlagen neu errichtet oder saniert. Die begünstigten Betriebsteile verfügen über unterschiedliche Produktionsrichtungen. So spielen in diesem Projekt neben der Haltung von Milchrindern, auch die Haltung von Büffeln, Pferden, Maultieren und Kaninchen eine wichtige Rolle. Die Produktion basiert auf an die Umwelt angepassten Technologien, welche durch das Projekt eingeführt werden.

Produktionszeiele

Milchproduktion:

Die Erhöhung der Milchproduktion ist eines der wichtigen Ziele des Projektes. 24 der insgesamt 41 Stallanlagen dienen der Aufzucht und Haltung von Milchrindern und Büffeln (19 für Rinder, 5 für Büffel).

Innerhalb der drei Jahre Projektlaufzeit soll die Milchproduktion der Rinder von 307.300 Liter auf 481.400 Liter pro Jahr steigen. Die Produktion von Büffelmilch soll von 82.600 Litern auf 170.800 Liter pro Jahr steigen.

Fleischproduktion:

Die Fleischproduktion verantworten 3 Stallanlagen zur Mast von Rindern und 1 Stallanlage zur Mast von Büffeln. Im dritten Projektjahr sollen 590 t Rindfleisch und 94 t Büffelfleisch produziert werden.

In den drei Jahren des Projektes werden die 4 neuen Kaninchenstallanlagen insgesamt 15,0 t Kaninchenfleisch produzieren. Außerdem werden private Halter mit Know-how und Buchten unterstützt, um diesen Produktionszweig im Rahmen der familiären Selbstversorgung zu fördern.

Transporttiere:

In der bergigen Region Yateras besteht ein großer Bedarf an Eseln, Maultieren und Pferden als Transportmittel. Einige Gegenden sind anders kaum zu erreichen. Außer zu privaten Zwecken und in den Betrieben für Tierproduktion werden sie auch in den Kaffee- und Kakaobetrieben benötigt.

8 Stallanlagen des Projektes widmen sich dieser Aufgabe. Im dritten Projektjahr sollen bereits 150 Fohlen und Maultiere verkauft werden.

Forschung:

Neben den Investitionen im Kreis Yateras wird eine experimentelle Stallanlage im Kreis Imías errichtet. Hier wird, begleitet von einer Doktorarbeit, ein Modell für die Haltung von Ziegen und Schafen für die Produktion von Milch und Fleisch entwickelt werden.

Berücksichtigt werden dabei der Einsatz angepasster Technologien und die Nutzung alternativer Energiequellen. Hintergrund ist die, durch die zunehmende Versalzung der Böden notwendig gewordene, Umstrukturierung der Viehzucht im Südküstenstreifen. Das beinhaltet vor allem die Umstellung von Kühen auf Kleinvieh, wie Ziegen und Schafe, die hier bisher eher privat im kleinen Maßstab gehalten werden.

Die gewonnenen Erfahrungen und erprobten Produktionstechnologien sollen in der Zukunft auch in anderen Regionen ähnlichen Klimas in Kuba angewandt werden.

Strategie zur Erreichung der Projektziele

Um eine nachhaltige Produktion in den Projektbetrieben zu erreichen, werden nicht nur bauliche Maßnahmen und der Kauf von Arbeitsgeräten vorgenommen. Die Weiterbildung und Motivation der Beschäftigten sowie ökologische Aspekte spielen bei der Umsetzung eine entscheidende Rolle.

Weiterbildung und Motivation:

Jeder Mitarbeiter wird entsprechend den Anforderungen seines Arbeitsplatzes weitergebildet, um für den Umgang mit den neuen Produktionsverfahren bestmöglich vorbereitet zu sein. Dazu werden 100 Handbücher und Broschüren angeschafft und themenbezogenen Weiterbildungskurse angeboten. Um die Arbeitsbedingungen zu erleichtern werden Arbeitskleidung, Werkzeuge und Geräte wie z.B. Futterhäcksler angeschafft. Der Lohn wird nach Produktionsergebnissen gestaffelt.

Aus Projektmitteln werden 12 Wohnhäuser saniert. Dazu gehören die 7 Häuser der Siedlung La Guira. Den Mitarbeitern stehen Flächen zum Anbau von Obst und Gemüse für den Eigenbedarf zur Verfügung. Überschüsse können sie zur Steigerung ihrer Gehälter verkaufen.

Cuba Sí wird Container mit Spendengütern in die Projektregion verschicken. Die Spendengüter setzen sich vorrangig aus medizinischen Verbrauchsmaterialien und Geräten, Werkzeugen und Ersatzteilen, Haushaltsgegenständen und Dingen des persönlichen Bedarfs zusammen.

Ökologische Aspekte:

Die geplanten Produktionstechnologien passen sich an die gegebenen Umweltbedingungen an. Der Viehbesatz basiert nicht auf Produktionszielen, sondern wird auf Grundlage der Bodenverhältnisse und der Verfügbarkeit von Futtermitteln festgelegt. Nur Flächen mit einem Gefälle von weniger als 25 % werden genutzt um Erosion zu vermeiden. Erosionsgefährdete Hänge werden durch entsprechende Maßnahmen geschützt.

Insgesamt 10 Windräder werden für die Förderung von Wasser errichtet. Zum Betrieb der 38 elektrischen Weidezäunen findet Solarenergie Anwendung. Zu Demonstrationszwecken wird ein Wohnhaus mit einer Biogasanlage ausgestattet, um den Anwohnern diese Energiequelle näher zu bringen.

Für die Bearbeitung der Anbau- und Weideflächen werden Arbeitsochsen und Pferde genutzt. Pferde und Maultiere kommen als Transportmittel zum Einsatz.

Die wichtigsten Investitionen in die produktive Infrastruktur:

  • Neubau von 26 Stallanlagen (14 Rinder-, 4 Büffel-, 4 Kaninchen-, 4 Pferdestallanlagen)
  • Reparatur von 9 Stallanlagen (7 Rinder-, 1 Büffel und 1 Pferdestallanlage)
  • Anpassung einer Stallanlage für die Haltung von Ziegen und Schafen (in Imías)
  • Verbesserung der Weiden und der Futteranbaus auf 38 Stallanlagen:
    • Untergliederung der Weiden mit Hilfe elektrischer Weidezäune auf Solarbasis
    • Bestellung von 2.000 ha mit Futterpflanzen wie Kinggras, Zuckerrohr und Leguminosen
  • Kauf von Arbeitsmaterialien und -kleidung wie Macheten, Sättel, Gummistiefel, 30 Futterhäcksler etc.

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