Milchprojekt Granja Nazareno -
Die wichtigsten Ergebnisse
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Ort:
Granja Nazareno, Landwirtschaftsbetrieb Empresa "Valle del Perú", Provinz Havanna, Republik Kuba
Titel:
Steigerung der Milchproduktion und Zucht von Stieren der Rasse Siboney de Cuba
Laufzeit:
3 Jahre (1.Januar 2001 - 30.Dezember 2003)
+ 6 Monate Verlängerung bis zum 30.6.04 zur Umsetzung zusätzlicher Investitionen
Projektpartner:
Kubanische Vereinigung für Tierproduktion (ACPA) und Cuba Sí, AG der PDS
Projekthaushalt:
350.000 USD (zu 100% aus Spendenmitteln durch Cuba Sí erbracht)
Projektziele:
- Allgemeines Ziel:
Schrittweise Erhöhung der Milchproduktion zur Versorgung von Kindern unter 7 Jahren, Rentnern und Kranken sowie Zucht von Zuchtstieren der Rasse Siboney de Cuba
- Spezifische Ziele:
- Verbesserung der Lebensbedingungen der Projektbegünstigten durch Modernisierung bzw. Neubau von Wohnhäusern (feste Bauweise, Elektrizitäts- und Trinkwasseranschluss, Nähe zum Arbeitsplatz; Nutzung von Biogas)
- Verbesserung der Versorgung der Familien bzw. der Beschäftigten der Granja mit Lebensmitteln in einem ausgewogenen Niveau und entsprechend ihres Bedarfs
- Erhöhung der finanziellen Einkommen der Familien durch:
a) Steigerung der Milchproduktion und
b) Verkäufen aus Kleintierhaltung sowie von Überschüssen aus der Produktion von Gemüse, Wurzel- und Knollenfrüchten
Beschreibung der Projektumgebung:
Das Projekt befindet sich in der Provinz Havanna:
| Fläche: |
5.730,5 km2 |
(Kuba: 110.860 km2) |
| Einwohnerzahl: |
694.000 Einwohner |
(Kuba: 10,9 Mio.) |
| Bevölkerungsdichte: |
108 Einwohner/km2 |
(Kuba: 100 Einwohner/km2) |
Grundlage der Ökonomie der Provinz Havanna ist die Landwirtschaft. Es ist die Provinz Kubas, in der die verfügbaren landwirtschaftlichen Flächen am intensivsten genutzt werden und sie ist Hauptlieferant von landwirtschaftlichen Erzeugnissen für die Hauptstadt. Die Provinz ist verwaltungspolitisch in 19 Kreise aufgeteilt.
Das Projekt Granja Nazareno befindet sich im Kreis San José de las Lajas. San José de las Lajas hat ca. 62.000 Einwohner und gehört zu den traditionsreichsten Rinderzuchtzentren Kubas.
Kurzdarstellung der Granja Nazareno (Stand zu Projektbeginn)
Als staatliche landwirtschaftliche Produktionseinrichtung ist die Granja Nazareno dem Landwirtschaftsbetrieb Empresa "Valle del Perú" untergeordnet, zu dem mehrere Granjas und Kooperativen gehören. Die Hauptproduktionslinie dieses Landwirtschaftsbetriebs ist die Milcherzeugung. Es ist eines der führendsten Zentren zur genetischen Entwicklung des kubanischen Rinderbestands und das wichtigste Zuchtzentrum für Zuchtstiere der Rasse Siboney de Cuba. Innerhalb dieses Betriebs ist die Granja Nazareno neben der Milcherzeugung insbesondere auch auf die Zucht von Stieren der Rasse Siboney de Cuba spezialisiert.
Die Granja verfügt über die folgenden Produktionsstätten und Einrichtungen:
- 21 Milchviehstallanlagen (Vaquerías)
- 3 Stallanlage für Kälber
- 9 Stallanlagen für Färsen
- 1 Stallanlage für die Zuchtstiere der Rasse Siboney de Cuba
- 1 Lager für Betriebsmittel
- 1 Kantine
- Büroräume
Flächenverteilung der Granja Nazareno
| Flächen für die Rinderwirtschaft |
1.286 ha |
| Flächen für Nutzkulturen (Knollen- und Wurzelfrüchte, Gemüse) |
50 ha |
| Wege und bauliche Einrichtungen, u.a. |
45 ha |
| Gesamtfläche |
1.381 ha |
Die Granja Nazareno verfügt über 36,5 km Wege und Zufahrten, von denen 8 km in schlechtem Zustand sind.
Begünstigte des Projektes
Die Granja hat 222 Beschäftigte, davon 121 im unmittelbaren Produktionsbereich, 15 bei der Technischen Dienstleistung, 81 als mittleres Fachpersonal (Agrotechniker u.ä.) und 5 in der Verwaltung. Direkte Begünstigte sind die Beschäftigten (inbegriffen ihre im Haushalt lebenden 141 Familienangehörigen). Indirekte Begünstigte sind 3.800 Kinder bis zum 7. Lebensjahr, die in der Region leben und täglich mit der in der Granja Nazareno produzierten Milch versorgt werden.
Die wichtigsten Ergebnisse
Hauptziele:
- Milchproduktion
Die Milcherzeugung wurde von 765.000 Liter im Jahr 2000 auf 1.260.200 Liter im Jahr 2003 gesteigert. Das war die höchste Steigerungsrate der Milchproduktion (67,7%), die in der Granja seit 1990 erreicht wurde (Spezialperiode). Ende 2004 wurden 1.363.600 Liter Milch erzielt.
Die Milchproduktion pro Kuh und Tag lag Ende 2003 bei 6,4 Litern (2000: 5,0 Liter). Die Qualität der Milch konnte verbessert werden, was sich im erzielten Verkaufspreis pro Liter Milch ausdrückt (0,94 Pesos/Liter im Jahr 2004 - vergl. 0,81 Pesos/Liter im Jahr 2000).
- Zucht von Stieren der Rasse Siboney
Die Rasse Siboney de Cuba ist eine Kreuzung aus den Hochleistungskühen Holstein-Friesian und dem einheimischen Zebu im Verhältnis 5/8 Holstein-Friesian und 3/8 Zebu. Sie zeichnet sich durch eine stabile Milchproduktion über das gesamte Jahr aufgrund ihrer besseren Resistenz gegenüber den klimatischen Bedingungen in Kuba aus. Im Rahmen des nationalen genetischen Programms zur Entwicklung der Rasse Siboney de Cuba ist die Granja Nazareno in Kuba eine der Hauptlieferanten von Zuchtstieren dieser Rasse. Aufgrund der schwierigen Bedingungen in der Spezialperiode verringerte sich die Zahl der Stiere, die an die landwirtschaftlichen Betriebe im gesamten Land zur künstlichen Besamung abgegeben werden konnten, von durchschnittlich 50 Tieren in den 80ziger Jahren auf 17 Tiere Anfang der 90er Jahre.
Im Ergebnis der Projektarbeit wurde der Verkauf dieser Zuchtstiere von Jahr zu Jahr erhöht. Diese Entwicklung verläuft nicht problemlos und wird insbesondere durch die Bereitstellung des erforderlichen Futters sowie die qualifizierte Arbeit mit den Tieren beeinflusst. Insofern waren Instandsetzungsarbeiten in der Zuchtanlage, die Weiterbildung der Züchter sowie die Erweiterung der Futtergrundlage im Rahmen der Projektarbeit entscheidende Faktoren, dass im Jahr 2003 bereits wieder 35 Stiere verkauft werden konnten. Langfristig ist eine weitere Steigerung zu erwarten ist.
Schwerpunkte der Investitionen und Ergebnisse:
Tabelle 1: Futterproduktion mit Hilfe von Projektmitteln
| Bezeichnung |
2000 (vor Beginn) |
2001 |
2002 |
2003 |
Summe 2001-2003 |
| Aussaat King Gras CT-115 (ha) |
20,1 |
77,3 |
111,7 |
90,0 |
279,0 |
| Aussaat Zuckerrohr (ha) |
35,6 |
11,0 |
1,0 |
16,0 |
29,0 |
| Aussaat saisonaler Futterpflanzen für Trockenzeit (ha) |
0 |
0 |
0 |
40,3 |
40,3 |
| Aussaat Sterngras (ha) |
26,0 |
0 |
26,0 |
17,5 |
43,5 |
| Maschinelles Mähen und Verbesserung der Futter- und Weideflächen (ha) |
26,9 |
45,8 |
200,0 |
157,3 |
403,1 |
| Wiederherstellung von Weideflächen (ha) |
0 |
30,9 |
85,1 |
28,0 |
144,0 |
| Anbau weiterer Futterpflanzen (ha) |
22,0 |
0 |
119,0 |
28,0 |
147,0 |
| Setzen von "lebenden Weidepfosten" (Bäume als Schattenspender) (Stück Stecklinge) |
0 |
0 |
0 |
79.000 |
79.000 |
| Reparatur und Bau von Weidezäunen (km) |
60,0 |
0 |
196,0 |
56,7 |
252,7 |
Tabelle 2: Investitionen für produktive Infrastruktur
| Bezeichnung |
2000 (vor Beginn) |
Projektende (31.12.04) |
| Instandsetzung von Zufahrtswegen (km) |
0 |
8 |
| Instandsetzung von Traktoren (Stück) |
2 |
7 |
| Kauf einer Mähmaschine (Stück) |
0 |
1 |
| Kauf eines Anhängers (Stück) |
0 |
1 |
| Kauf von Futterhäckslern (Stück) |
0 |
23 |
| Kauf von Notstromaggregaten für die einzelnen Stallanlagen (Stück) |
0 |
13 |
| Kauf von Elektrotransformatoren für die einzelnen Stallanlagen(Stück) |
0 |
15 |
| Kauf von Pflügen für Tiergespanne (Stück) |
0 |
15 |
| Instandsetzung Kfz der Granja (Stück) |
0 |
3 |
| Kauf eines Fahrzeuges für die Projektleitung |
0 |
1 |
- Selbstversorgung (autoconsumo) mit landwirtschaftlichen Produkten / Verkauf der Überschüsse:
Tabelle 3: Einige Ergebnisse aus der Selbstversorgung im Jahr 2003:
| Bezeichnung |
Gesamtproduktion |
Verkaufte Überschüsse |
| Wurzel-u. Knollenfrüchte (kg) |
29.348 |
3.825 |
| Gemüse (kg) |
12.256 |
1.979 |
| Körnerfrüchte (kg) |
6.551 |
2.205 |
| Schweinfleisch (kg) |
10.278 |
350 |
| Ziegen/Hammelfleisch (kg) |
1.338 |
12 |
| Geflügel (kg) |
569 |
6 |
| Gesamt (kg) |
60.340 |
4.938 |
| Eier (Stück) |
8.013 |
3.412 |
- Aufbau einer Integralen Finca
(Rinderzucht, Kleintierproduktion und erweiterter Anbau landwirtschaftlicher Produkte)
Der Aufbau dieser Finca war ein Hauptanliegen der 6monatigen Verlängerung des Projekts. Vor allem wurden folgende Grundlagen für die Produktion gelegt:
- Aufbau von Ställen für Kleintierhaltung
- Beregnungsanlage für 4 ha (Gemüse- und Futterpflanzen sowie für Saatgutproduktion)
- 2 ha Wurzel-, Knollen- und Körnerfrüchte
- Pflanzung von 200 Kokospalmen sowie von 14.000 Obstbaumstecklingen
- Kauf einer Futtermühle
- Bau von 25 Biogasanlagen zur Produktion von Biogas zum Kochen und für die Notbeleuchtung in den Wohnhäusern und Ställen.
Nebeneffekt: jährliche Produktion und Nutzung von ca. 190 t Biodünger
- Nutzung von Regenwurmkulturen zur Herstellung von Humus
- Durchführung regelmäßiger Seminare bzw. Vorträge für die Beschäftigten der Granja zur Unterstützung der fachlichen Umsetzung der Projektkonzeption Inhaltliche Schwerpunkte waren u.a.: Weiderotation und Futterproduktion, Fortpflanzung, Tierhygiene, Milchqualität, Buchhaltung.
- Herausgabe von Faltblättern zu verschiedenen Fachthemen
- Neubau von Wohnhäusern: 3
- Modernisierung von Wohnhäusern: 28
- Löhne: Anstieg der durchschnittlichen Monatslöhne von 245 Pesos (2000) auf 306 Pesos in 2003. Die Steigerungen der Löhne ist leistungsbezogen. Die Löhne sind an die Produktionsergebnisse gebunden.
- Cuba Sí schickte im Projektzeitraum 5 Container mit insgesamt ca. 65 Tonnen materiellen Hilfsgütern (technische Ausrüstungen und Arbeitsgeräten sowie Büromaterial, Material für die Verwaltung der Granja und für das Projektbüro; Bedarfsgüter für die Haushalte der Beschäftigten, einschließlich Fahrräder und Ersatzteile; Medikamente und Schulmaterial für die Einrichtungen des Gesundheits- und Bildungswesen der Region Valle del Perú).
- Ausbau eines Gebäudes für das Projektbüro sowie eines Seminarraums und deren technische Ausstattung mit moderner Bürokommunikation. Das Gebäude dient gleichzeitig als Sitz der Provinzleitung von ACPA Havanna und wird auch weiterhin für die Leitung des folgenden Projekts in der Granja Zenea, die ebenfalls zur Empresa Valle del Perú gehört, genutzt.
- Kauf eines Fahrzeugs Pick-up sowie eines Motorrades für die Projektleitung.
- In der Umgebung wurde mit Projektmitteln das Gästehaus der Empresa "Valle del Perú" ausgebaut. Das "Casa de Piedra" wurde komplett saniert und dient heute zur Durchführung von kleineren Konferenzen sowie als Unterkunft für den Besuch von nationalen und internationalen Spezialisten sowie für die Workcampgruppen, die von Cuba Sí einmal im Jahr in das Valle del Perú entsandt werden. Die erforderlichen finanziellen Mittel in Höhe 5.500 Euro wurden von Cuba Sí aus Spendenmitteln zur Verfügung gestellt.
- Im Projektverlauf wurden 3 Workcamps mit jeweils ca. 9 Teilnehmern aus Deutschland in Nazareno organisiert. Sie informierten sich über die Entwicklung des Projekts. Die Arbeitseinsätze gemeinsam mit den kubanischen Landarbeitern sowie persönliche Kontakten trugen zum gegenseitigen Kennnenlernen bei.
- Der Besuch des damaligen Projektdirektors in Deutschland im Jahr 2001 half ihm, besser die Bedingungen einzuschätzen, unter denen hier die Kubasolidarität durchgeführt wird und er nutzte viele Kontakte und Veranstaltungen, um über die Entwicklung in Kuba und insbesondere im Projekt zu informieren.
Schlussfolgerungen/Ausblick
- Die Ergebnisse der Projektarbeit wirkten sich positiv auf die soziale, wirtschaftliche und ökologische Entwicklung der Region aus. Durch die Wiederbelebung der Zucht von Stieren der Rasse Siboney de Cuba wurde landesweit ein entscheidender Beitrag zur nationalen Rinderzucht geleistet.
- Durch die Sanierung der produktiven Infrastruktur und Erweiterung der Futtergrundlagen für die Milchproduktion, den Beginn von Aufforstungsmaßnahmen und diversifizierter landwirtschaftlicher Produktion sowie der Nutzung alternativer angepasster Technologien hat die Projektarbeit Grundlagen für eine nachhaltige Entwicklung in der Granja gelegt.
- Inwiefern die Nachhaltigkeit gewährleistet werden kann, hängt u.a. auch davon ab, ob und wie die Granja diese Grundlagen erhalten und entwickeln kann. Aus diesem Grund werden ACPA und die verantwortlichen Behörden des Landwirtschaftsministeriums der Provinz auch nach Abschluss des Projekts die Entwicklung der Granja begleiten und fachlich unterstützen.
- Ein Großteil der erforderlichen Betriebsmittel zum Erhalt der aufgebauten Infrastruktur ist gegenwärtig in Kuba nur gegen Zahlung mit konvertibler Währung zu erhalten. Da die Granja ihre produzierte Milch und die Mehrheit ihrer anderen Erzeugnisse in nationaler Währung verkauft, verfügt sie nicht über ausreichende Devisenmittel. Aus diesem Grunde sollen
- die Produktion von proteinhaltigem Futter vorrangig entwickelt und erweitert werden;
- die begonnene Diversifikation der Produktion (Fleisch, Gemüse u.a.) weiterentwickelt werden, um größeren Mengen gegen konvertible Währung an den Tourismusbereich verkaufen zu können.
- Auch nach Abschluss des Projekts wird Cuba Sí von ACPA weiterhin über die Entwicklung in der Granja Nazareno informiert.
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