Cuba Sí
Milch für Kubas Kinder
Almendares Vivo
Buchtip

"Im Fadenkreuz: Kuba"
von Horst Schäfer

Im Fadenkreuz: Kuba

Aktuelle Projekte

Milchprojekt Granja Dos Rios
Projektvorstellung

(Auch zum downloaden als pdf-Dokument.)

Ort:
Granja Dos Rios, Landwirtschaftsbetrieb Empresa "Managuaco", Provinz Sancti Spíritus, Republik Kuba

Titel:
Unterstützung der Steigerung der Milchproduktion auf 12 Rinderstallanlagen der Granja Dos Rios des Landwirtschaftlichen Betriebes Managuaco

Laufzeit:
3 Jahre (20.Oktober 2006 - 20. Oktober 2009)

Projektpartner:
Kubanische Vereinigung für Tierproduktion (ACPA) und Cuba Sí, AG der Linkspartei.PDS

Projekthaushalt:
300.000 USD
Dieser Betrag wird von Cuba Sí zu 100% aus Spendenmitteln erbracht.

Projektziele:

  • Allgemeines Ziel:
    Beitrag zur Erhöhung der Milchproduktion für Kinder bis zum 7. Lebensjahr in der Provinz Sancti Spíritus
  • Spezifische Ziele:
    Beitrag zur Steigerung und Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktion mittels Stärkung der technischen, produktiven und wirtschaftlichen Infrastruktur durch neue Technologien, die eine Nachhaltigkeit gewährleisten.

Beschreibung der Projektumgebung:

Die Provinz Sancti Spíritus liegt im zentralen Teil Kubas und hat eine weit zurückreichende Tradition in der Rinderzucht.

Fläche: 6.731,9 km2 (Kuba: 110.860 km2)
Einwohnerzahl: 462.320 Einwohner (Kuba: 10,9 Mio.)
Bevölkerungsdichte: 63,3 Einwohner/km2 (Kuba: 100 Einwohner/km2)

Die Provinz ist verwaltungspolitisch in 8 Kreise aufgeteilt. Die Granja befindet sich im Kreis Sancti Spíritus in ca. 5 km Entfernung von der Provinzhauptstadt. Sie wird von den Flüssen Tuinicu im Osten und Zaza im Westen begrenzt.

Der Kreis Sancti Spíritus hat eine Fläche von 1.151,4 km2, von denen 596,3 km2 für die Rinderzucht genutzt werden. In dem Kreis leben 130.000 Menschen, davon ca. 11.800 Kinder unter 7 Jahre. Die Niederschläge betragen in dieser Region durchschnittlich 1.300 -1.400 mm/Jahr.

Kurzdarstellung der Granja Dos Rios (zu Projektbeginn):

Die Granja Dos Rios ist dem Landwirtschaftsbetrieb Empresa "Managuaco" untergeordnet, zu dem auch die UBPCs Sabanilla und Niña Bonita gehören, in denen Cuba Sí und ACPA von 2000-2002 bzw. 2003-2005 zwei Milchprojekte entwickelten. Die Granja Dos Rios ist ebenfalls auf die Milchproduktion spezialisiert.

Das Gelände der Granja besteht vorwiegend aus Flachland. Ihre Böden sind optimal für die Viehzucht geeignet, die hier bereits eine lange Tradition hat. Die Granja beherbergt die so genannte "genetische Reserve" der Provinz, dass heißt auf ihr stehen reinrassige Holstein-Rinder-Herden. Sie sind ein wichtiger Bestandteil des nationalen Zuchtprogramms.

Die Granja verfügt über die folgenden Produktionseinheiten und Einrichtungen:

  • 17 Milchviehstallanlagen (Vaquerías), in denen manuell gemolken wird
  • Einige Stallanlagen für die Aufzucht von Kälbern und Färsen
  • 1 Anlage zur Haltung von Kleinvieh
  • 3 Flächen zum Anbau von Obst und Gemüse
  • 1 Maschinenwerkstatt
  • Verwaltungsgebäude, Lagerräume und Kantine

Die aktuellen Schwierigkeiten in der Granja resultieren aus unzureichenden Kenntnissen über angepasste neue Produktionsverfahren und mangelnde Mittel, um diese in ihrem Betrieb einzuführen. Ein weiteres Problem ist die Fluktuation der Arbeitskräfte und ein Mangel an ausgebildeten Fachkräften für die Verwaltung und das Management.

Flächenverteilung der Granja Dos Rios

Fläche für Rinderwirtschaft 2058,2 ha
Fläche für Landbau 45,5 ha
Wege und Geb&aauml;de 49,6 ha
Gesamtfläche 2153,3 ha

Die Produktionsergebnisse der Granja im Jahr 2005:

  • 890.300 Liter Milch (1012 Kühe davon 452 laktierende Kühe)
  • 48,5 % Geburtenrate bei den Rindern
  • 11,6 % Sterblichkeit bei den Rindern insgesamt

Begünstigte des Projektes:

Die Granja hat 218 Beschäftigte. Davon arbeiten 180 direkt im Produktionsbereich, 3 in der Verwaltung, 24 als mittleres Fachpersonal (Agrotechniker u.a.) und 11 in der Leitung der Granja.

Direkte Begünstigte des Projektes sind diese Beschäftigten und ihre Familien. Die indirekt Begünstigten sind die ca. 11.700 Kinder bis 7 Jahre in der Region, die täglich mit Milch versorgt werden.

Schwerpunkte für die Projektumsetzung und Investitionen

Milchproduktion - Hauptziel des Projektes:

Durch die Verbesserung der Futtergrundlage auf den 12 Stallanlagen kann der Herdenbestand in den drei Jahren der Projektlaufzeit schrittweise von 1453 Kühen auf 1877 Kühe ausgeweitet werden. 300 dieser neuen Rinder werden von anderen Betrieben in Kuba gekauft und die anderen werden auf der Granja Dos Rios geboren werden.

Durch die verbesserten Bedingungen für die Rinder sowohl auf den Weiden als auch in den Ställen werden sich die Produktionsparameter verbessern. Die Geburtenrate wird zunehmen und die Sterberate abnehmen. Langfristig wird sich eine Steigerung der Laktationszeit und der Produktion pro Kuh ergeben. Bereits zum Projektende 2008 wird eine jährliche Produktion von 1.481.908 Litern erreichbar sein.

  • Verbesserung der Futtergrundlage und der Wasserversorgung:

    Die Investitionen des Projektes verteilen sich auf 12 Rinderstallanlagen der Granja. Die Weide- und Futterflächen werden so umgestellt, dass jede Rinderstallanlage (Vaquería) in der Lage ist, ihr Vieh mit dem auf ihren Flächen produzierten Futter während des gesamten Jahres ausreichend zu versorgen.
    Konkret ist vorgesehen:

    • Wiederherstellung von 245 ha Weide- und Futterfläche durch Rodung der unerwünschten Sträucher Aroma und Marabü
    • Untergliederung der Weidefläche in über 450 Weideabschnitte von 1 ha Fläche, die abwechselnd beweidet werden
    • Verbesserung der Qualität der Weiden durch Anbau spezieller Futterpflanzen auf einem Teil der Flächen (z.B. Aufbau eines Systems der Beweidung unter Bäumen auf 45 ha)
    • Anbau von Kinggras, Zuckerrohr und Leucaena auf den Futterflächen (Fütterung in der Trockenzeit)
    • Bau von 9 kleinen Stauteichen als Tränke für das Vieh

  • Vervollständigung und Reparatur der Ausrüstungen für die Produktion und Betreuung der Tiere:
    • Reparatur von 12 Stallanlagen
    • Ausrüstung von 12 Stallanlagen mit Arbeitsgeräten
    • Reparatur von 15 km Zufahrtswegen zu den Stallanlagen
    • Reparatur und Ausrüstung der Maschinenwerkstatt und des Maschinenparks

Diversifikation der Produktion:

Neben der Milchproduktion werden auch die Fleischproduktion und der Anbau von Obst und Gemüse weiter ausgebaut. Die Fleischproduktion umfasst mehrere Kleinvieharten, vor allem Schweine, Geflügel und Schafe. Als neuer Produktionszweig kommt die Haltung von Kaninchen hinzu.

Fleischart Produktion in 2005
(vor Projektbeginn)
Geplante Produktion
in 2008
Schweine 6,3 t 9,0 t
Schafe 1,8 t 3,8 t
Kaninchen - 600 kg
Geflügel - 252 kg

Zusätzlich werden jährlich 11760 Eier produziert. Auf 106 ha werden jedes Jahr 14 t Obst und 231 t Gemüse und Knollenfrüchte produziert werden.

Für den Ausbau der landwirtschaftlichen Produktion werden folgende Investitionen getätigt:

  • Bau eines Gewächshauses
  • Installation von zwei kleinen Bewässerungsanlagen
  • Bau eines Kaninchenstalls
  • Anschaffung von Arbeitsgeräten

Ökologie und alternative Energien:

  • Aufforstung auf 1139 ha durch Verwendung "lebender Weidepfosten" (Majagua, Eukalyptus und Teakholz) und dem Pflanzen von Obstbäumen (Guave und Mango)
  • Nutzung von Ochsengespannen für die Bodenbearbeitung und den Transport der Futtermittel innerhalb der Stallanlagen
  • Nutzung von 805 t frischer Exkremente der Rinder in 8 neu gebauten Biogasanlagen wodurch 5840 Liter Kerosin jährlich eingespart werden
  • Produktion von 800 t Humus und Ausbringung auf den Flächen zum Futteranbau
  • Nutzung von 12 elektrischen Weidezäunen auf Solarenergiebasis
  • Aufbau von 2 Windrädern zur Förderung von Wasser (Einsparung von 4380 l Diesel)

Weiterbildung:

Alle Mitarbeiter der Granja werden entsprechend ihrer Tätigkeitsfelder an verschiedenen Kursen zur Weiterbildung teilnehmen. Diese Kurse werden von Dozenten unterschiedlicher kubanischer Institute und von den Fachangestellten der Projektleitung durchgeführt.

Dafür wird ein bestehendes ehemaliges Gästehaus auf dem Gelände der Granja saniert und zu einem Weiterbildungszentrum umgebaut.

Folgende Kurse werden im Weiterbildungsprogramm einen Schwerpunkt bilden:

  • Humusproduktion mit Hilfe von Regenwürmern, Herstellung und Bedeutung von organischem Dünger und Umgang mit diesem
  • Anbau und Pflege des Kinggras CT 115
  • Nutzung und Umgang des Systems der Beweidung unter Bäumen
  • Fortpflanzung: Produktive und wirtschaftliche Bedeutung
  • Bedeutung und Nutzung der Exkremente der Rinder auf den Weiden
  • Milchqualität: Wirtschaftliche Bedeutung
  • Neue Verfahren im Landbau, Obstanbau und bei der Aufforstung
  • Anbau und Pflege im Gewächshaus
  • Bedeutung und wirtschaftliche Notwendigkeit der Diversifikation

Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen:

Die Erhöhung der Produktion in der Granja ist die wesentliche Grundlage für die Erhöhung der Einkommen sowie die Verbesserung der materiellen Lebensbedingungen der Beschäftigen und ihrer Familien. Sie wird dazu beitragen, die noch bestehende Fluktuation von Arbeitskräften zu verringern.

Im Rahmen des Projektes sind folgende konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Beschäftigten vorgesehen:

  • Sanierung von 8 Wohnhäusern
  • Schaffung von 50 neuen Arbeitsplätzen in der Granja Dos Rios
  • Erleichterung der Arbeitsbedingungen durch Kauf von Geräten, Maschinen (z.B. mechanische Melkanlagen) und Arbeitsbekleidung
  • Zusätzlich: Entsendung von Material per Container durch Cuba Sí:
    • Gegenstände/Verbrauchsmaterial für den produktiven Bereich, Büromaterial
    • Haushaltsgegenstände und Dinge des persönlichen Bedarfs für die Mitarbeiter und ihre Familien (z.B. Fahrräder u.a.)
    • Medikamente, medizinisches Verbrauchsmaterial, medizinisch- technische Geräte und Schulmaterial für die Einrichtungen des Gesundheits- und Bildungswesens

    Die Kosten für die Entsendung der Container sind nicht Bestandteil des Projekt-haushaltes und werden durch Cuba Sí zusätzlich aus Spendenmitteln erbracht.

Die Erhöhung der Produktion in der Genossenschaft ist die wesentliche Grundlage für die Erhöhung der Einkommen sowie die Verbesserung der materiellen Lebensbedingungen der Beschäftigen und ihrer Familien und wird auch dazu beitragen, die noch bestehende Fluktuation von Arbeitskräften zu verringern.

Schon in Vorbereitung des Projektes war die Genossenschaft vorbildlich in der Einbeziehung aller Beteiligten bei der kollektiven Analyse, Diskussion und Festlegung der Prioritäten. Das soll insbesondere fortgesetzt werden durch:

  • Regelmäßige Diskussionen/Einschätzungen während des Projektverlaufes mit den Beteiligten
  • Regelmäßige Weiterbildungsmaßnahmen (z.B. Behandlung der Tiere, Futterwirtschaft, einschliesslich Vermittlung neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse; Führungs- und Leitungstätigkeit, Rechnungswesen u.ä.)

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