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"Im Fadenkreuz: Kuba"
von Horst Schäfer

Im Fadenkreuz: Kuba

Standpunkt

Kuba ist Vorbild für Zukunftsfähigkeit

Aufgrund der zitierten studien belegt, dass Kuba in sachen "Nachhaltigkeit" vorbildlich ist - von Edgar Göll, Berlin

Kuba ist selbst bei seinen konservativen und antikommunistischen Gegnern als Gesellschaft mit beachtlichen sozialen Errungenschaften und Qualitäten anerkannt. Zahlreiche Auszeich­nungen internationaler Organisationen untermauern dies. Auch im ökologischen Bereich ist in Kuba Hervorragendes geleistet worden, Umweltbildung wird sehr gefördert, der Umstieg auf Pflanzenmedizin und regenerative Energiequellen – vor allem auch dem Wegfall der realsozi­alistischen Handelspartner geschuldet – sind Beispiele dieser Politik. Und Kuba war schließ­lich eines der ersten Staaten, das nach dem „Erdgipfel“ der UN 1992 in Rio de Janeiro die dort unterzeichnete „Agenda 21“ auch ratifiziert und national umzusetzen begonnen hat mit­tels diverser Gesetze, Verordnungen und Programme.

Nun hat das Global Footprint Network gemeinsam mit WWF und IUCN in einem Bericht mit dem Titel „Europe 2005 – The Ecological Footprint“ anschaulich dargestellt, wie 150 Staaten (fehl-)entwickelt sind (http://www.footprintnetwork.org/). Besonders die USA und die EU-Gesellschaften leben weit über die planetarisch-ökologischen Verhältnisse: US-Amerikaner verbrauchen das 6-fache, EU-BürgerInnen das etwa 3- bis 4-fache des ihnen zuzurechnenden Naturressourcen. Im Jahre 2001 benötigte die Menschheit etwa 2,2 ha Land pro Kopf – ob­wohl nur 1,8 ha zur Verfügung stehen. Die Ergebnisse stimmen grundsätzlich mit denen der 30-Jahresbilanz der Studie „Grenzen des Wachstums“ überein, die kürzlich ebenfalls ein Übersteigen der Tragfähigkeit der Erde festgestellt und eine schnelle Umkehr einforderte.

In Schaubildern und Listen werden die ökologischen Fußabdrücke von 150 Nationen der Erde, ihre Zusammensetzung (Land, Biomasse, Energie) und ihre zeitliche Veränderung dar­gestellt. In einem besonders interessanten Schaubild werden für diese Nationen zwei Vari­ablen miteinander verknüpft. Das ist einmal der Human Development Index, mit dem die UNDP (UN-Entwicklungsprogramm) jährlich die Lebensqualität aller Mitgliedsgesellschaften einschätzt. Und zweitens wird der ökologische Fußabdruck, der eine Flächenangabe ist über die umgerechneten Ressourcenverbräuche der Menschen. Durch die Verknüpfung ergeben sich 4 Quadranten: mit außergewöhnlicher Deutlichkeit wird erkennbar, dass einerseits viele reiche Länder weit oberhalb der ihnen zustehenden Ressourcen existieren, dass sich anderer­seits zahlreiche Länder unterhalb eines Mindeststandards von Lebensqualität befinden. Der vierte Quadrant, der maximal 1,8 ha „Landverbrauch“ zulässt und mindestens 0,8 auf der HDI-Skala (an Lebensqualität) erfordert, ist dabei als anzustrebender Bereich von Nachhalti­ger Entwicklung definiert. Und das einzige Land, das diese Qualität bislang – knapp – erreicht hat, ist Kuba (mit 1,4 ha und 0,81 HDI; in der textlichen Beschreibung wird dieser Fakt aller­dings unterschlagen...!)

Der Bericht “The Ecological Footprint” zeigt mit Deutlichkeit, dass eine radikale Umsteue­rung fast aller Staaten und Gesellschaften dringend erforderlich ist, um das Überleben der Zivilisation zu gewährleisten. Das wird auch untermauert durch den aktuellen Bericht der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika (CEPAL) und dem UN-Umweltprogramm (UNEP): jährlich werden in der Region 0,5% der Wälder zerstört, viele ökologische Parame­ter haben sich verschlechtert (http://www.eclac.cl/). Daher meint der Leiter des UNEP-Lateinamerika-Büros, Ricardo Sánchez: „Das gesamt Konzept der wirtschaftlichen Entwick­lung der Region muss auf den Prüfstand. Es hat sich herausgestellt, dass das Modell von mehr liberalisiertem Handel und weniger Staatslenkung nicht funktioniert.“ (junge Welt, 17.06.2005) Und dass die kapitalistisch-industriellen Länder kein Vorbild für den Rest der Welt sein können, wusste schon Mahatma Ghandi. Er hat die Frage, ob Indien nach seiner Selbständigkeit (1945) den Lebensstandard der früheren Kolonialmacht erreichen werde, beantwortet: „Um zu seinem Wohlstand zu gelangen, verbrauchte Großbritannien die Hälfte der Ressourcen des Planeten; wie viele Planeten wird ein Land wie Indien benötigen?“

Die Entscheidungsträger sollten sich die Nachhaltigkeitsdefinition der GFN-Studie zu Herzen nehmen; sie lautet einfach: „Nachhaltigkeit bedeutet gut zu leben innerhalb der Möglichkei­ten der Natur.“ Ob die Eliten so mutig und offenherzig sein werden, dem Beispiel Kubas zu folgen oder dieses außergewöhnliche System zu schützen und fairen Austausch zu ermög­lichen – gegen die Politik der USA und ihrer Handlanger?


 
 
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