Der Chinesische Sieg (Teil 1 und 2)
Ohne elementare historische Kenntnisse wird man das Thema, das ich
anspreche, nicht verstehen.
In Europa hatte man von China gehört. Marco Polo berichtete im Herbst
1298 über wunderbare Dinge dieses einzigartigen Landes, das er
Katai nannte. Der kluge und kühne Seefahrer Kolumbus war von den
Kenntnissen der Griechen über die Rundung der Erde informiert. Seine eigenen
Beobachtungen stimmten mit jenen Theorien überein. Er entwarf den Plan, von
Europa aus auf dem Seeweg in westlicher Richtung nach Fernost zu gelangen. Er kalkulierte die Entfernung viel zu optimistisch, um ein vielfaches zu hoch.
Ohne es zu ahnen, erschien auf seiner Route zwischen dem Atlantischen und
dem Pazifischen Ozean dieser Kontinent. Magellan hat seine Reiseroute
eingeschlagen, starb aber vor seiner Rückkehr nach Europa. Aus dem Erlös
der mitgebrachten Gewürzen konnte die Expedition mit mehreren Schiffen
finanziert werden, von denen nur eins zurückkehrte, als Vorbote kolossaler
Gewinne in der Zukunft.
Seit jener Zeit begann sich die Welt mit rasanten Schritten zu verändern.
Überkommene Formen der Ausbeutung kamen erneut zur Anwendung, von der
Sklaverei bis zum Frondienst. Alte und neue religiöse Glaubensrichtungen
verbreiteten sich über den Planeten.
Aus jener Verschmelzung der Kulturen und Ereignisse, in Verbindung
mit den Fortschritten der Technik und den Entdeckungen der Wissenschaft,
bildete sich die gegenwärtige Welt heraus, die man ohne ein Minimum von
Kenntnissen über die tatsächlichen Hintergründe nicht verstehen würde.
Der internationale Handel mit all seinen Vor- und Nachteilen wurde von
Kolonialmächten wie Spanien, England und anderen europäischen Mächten
aufgezwungen, die, wie insbesondere England, sehr bald den südwestlichen, südlichen und südöstlichen Teil Asien sowie Indonesien,
Australien und Neuseeland zu beherrschen begannen und ihre Herrschaft
gewaltsam überall hin auszudehnen suchten. Den Kolonisatoren war es noch
nicht vergönnt, das riesige Land China mit seiner tausendjährigen Kultur und
den bedeutenden Natur- und Humanressourcen zu unterjochen.
Der direkte Handel zwischen Europa und China setzte im 16. Jahrhundert ein, nachdem die Portugiesen ihre Handelsenklaven Goa in Indien und Macao im Süden Chinas etabliert hatten.
Die spanische Herrschaft über die Philippinen beschleunigte den
Austausch mit dem großen asiatischen Land. Die in China regierende Qin-
Dynastie versuchte mit allen Mitteln, diesen unvorteilhaften Handel mit dem
Ausland zu beschränken. Er wurde nur über den Hafen Kanton, heute
Guangzouh, erlaubt. Großbritannien und Spanien erlitten große Einbussen
wegen der geringen Nachfrage des riesigen asiatischen Landes nach Waren,
die in der englischen Metropole hergestellt wurden, oder nach spanischen
Produkten, die aus der Neuen Welt kamen, welche für China keine wesentliche
Bedeutung hatten. Beide haben dann begonnen, Opium nach China zu
verkaufen.
Der Opiumhandel im großen Umfang wurde ursprünglich von den
Holländern vom indonesischen Jakarta aus beherrscht. Die Engländer erzielten
Gewinne in Höhe von fast 400%. Ihr Opiumexport, der im Jahr 1730 15 Tonnen
betrug, erhöhte sich auf 75 Tonnen im Jahr 1773. Das Opium wurde in Kisten
zu je 70 kg verschifft. Damit kauften sie Porzellan, Seide, Gewürze und
chinesischen Tee. Opium, nicht Gold, war die Währung in Europa, mit der man
chinesische Waren erwerben konnte.
Im Frühjahr 1830, angesichts des ungezügelten Missbrauchs mit dem
Opiumhandel in China, befahl Kaiser Daoguang dem Reichsbeamten Lin Hse
Tsu, diese Plage zu bekämpfen. Jener ordnete daraufhin die Vernichtung von
20.000 Kisten Opium an. Lin Hse Tsu sandte einen Brief an die Königin
Victoria, indem er sie darum ersuchte, dass die internationalen Normen
geachtet und der Handel mit giftigen Drogen nicht erlaubt werden.
Die englische Antwort lautete: Opiumkrieg. Der erste dauerte drei Jahre,
von 1839 bis 1842. Der zweite, dem sich Frankreich anschloss, dauerte vier
Jahre, von 1856 bis 1860. Diese Kriege sind auch als anglo-chinesische Kriege
bekannt.
Das Vereinigte Königreich zwang China zur Unterzeichnung von
ungleichen Verträgen, die China dazu verpflichteten, mehrere Häfen für den
Außenhandel freizugeben und Hongkong abzugeben. Andere Länder folgten
dem Beispiel Englands und diktierten ungleiche Austauschbedingungen.
Ähnliche Erniedrigung führte von 1850 bis 1864 zum Taiping-Aufstand,
von 1899 bis 1901 zum Boxer-Aufstand und schließlich im Jahre 1911 zum Fall
der Qin-Dynastie, die aus verschiedenen Gründen, darunter aufgrund der
Schwäche gegenüber den ausländischen Mächten, in China äußerst unpopulär
geworden war.
Was geschah mit Japan?
Dieses Land mit seiner alten Kultur und so arbeitsam wie auch andere
Völker dieser Region, hat sich der "westlichen Zivilisation" widersetzt und sich
über 200 Jahre lang hermetisch gegenüber dem Außenhandel verschlossen,
zum Teil auch bedingt durch das Chaos in der inneren Verwaltung.
1854 drohten die Seestreitkräfte der Vereinigten Staaten von Amerika
unter dem Kommando von Kommodore Matthew Perry, nach einer
vorausgegangenen Aufklärungsfahrt mit vier Kanonenbooten, mit einem
Bombardement der japanischen Bevölkerung, die angesichts der modernen
Technologie jener Schiffe wehrlos war, und zwangen die Shogunen am 31.
März 1854, im Namen des Kaisers den Vertrag von Kanagawa zu
unterzeichnen. So nahm Verpflanzung kapitalistischen Handels und westlicher
Technologie in Japan ihren Anfang. Zu jener Zeit hatten die Europäer noch
keine Ahnung von den Fähigkeiten, mit denen sich die Japaner später auf
diesem Feld behaupten sollten.
Nach den Yankees kamen die Vertreter des Russischen Reiches aus
den Fernen Osten. Sie befürchteten, dass die Vereinigten Staaten von Amerika,
an die sie später, am 18. Oktober 1867, Alaska verkauften, ihnen im Handel mit
Japan vorangehen würden. Großbritannien und die übrigen europäischen
Kolonialmächte machten sich mit gleichem Ziel schnell auf den Weg in jenes
Land.
Während der Intervention der Vereinigten Staaten von Amerika in Mexiko
im Jahr 1847, hat Perry mehrere Landesteile besetzt. Mexiko verlor am Ende
des Krieges mehr als 50% seines Territoriums, speziell die Gebiete mit den
größten Erdöl- und Erdgasreserven, auch wenn damals das Hauptziel der
Eroberer noch nicht der Brennstoff war, sondern Gold und Land.
Der erste Chinesisch-japanische Krieg wurde offiziell am 1. August 1894
erklärt. Japan wollte sich damals Koreas bemächtigen, eines Vasallenstaates,
der China untergeordnet war. Aufgrund der höher entwickelten Bewaffnung und
Technik wurden die chinesischen Streitkräfte in mehreren Schlachten nahe den
Städten Seoul und Pjöngjang geschlagen. Spätere militärische Siege öffneten
ihnen den Weg nach China.
Im November jenes Jahres nahmen sie Port Arthur ein, das heutige
Lüshun. An der Mündung des Flusses Yalu und im Flottenstützpunkt Weihaiwei
wurden sie landseitig von der Halbinsel Liaodong aus von schwerer japanischer
Artillerie überrascht, die die Flotte der angegriffenen Seite zerstörte.
Die Dynastie musste um Frieden bitten. Der Vertrag von Shimonoseki,
der den Krieg beendete, wurde im April 1895 unterzeichnet. China wurde
gezwungen, "auf ewig" Taiwan, die Halbinsel Liaodong und den Archipel der
Fischerinseln an Japan abzutreten und außerdem eine Kriegsentschädigung in
Höhe von zweihundert Millionen chinesischen Silbertael zu zahlen und vier
Häfen für den Zugang von außen zu öffnen. Russland, Frankreich und
Deutschland verteidigten ihre eigenen Interessen und zwangen Japan, die
Halbinsel Liaodong gegen die Zahlung von weiteren 30 Millionen Silbertael
zurückzugeben.
Bevor ich mich dem zweiten Chinesisch-japanischen Krieg zuwende,
muss ich eine andere Kriegsepisode erwähnen, die zweifach geschichtliche
Bedeutung hat, sich zwischen 1904 und 1905 ereignete, und die man nicht
außer Acht lassen darf.
Nach der Einbeziehung Japans in die bewaffnete Zivilisation und nach
den vom Westen zur Aufteilung der Welt aufgezwungenen Kriegen hat Japan,
das den ersten beschriebenen Krieg gegen China geführt hatte, seine
Seestreitkräfte in einem Maße entwickelt, dass es in der Lage war, dem
russischen Reich einen solch harten Schlag zu versetzen, dass dieser beinahe
einen vorzeitigen Beginn der Revolution provozierte, die von Lenin mit der
Schaffung der Partei, die später die Oktoberrevolution auslösen sollte, zehn
Jahre zuvor in Minsk programmiert wurde.
Am 10. August 1904 griff Japan ohne Vorankündigung die Russische
Pazifikflotte in Shandong an und vernichtete sie. Zar Nikolaus II. von Russland,
aufgebracht über diese Attacke, befahl die Mobilmachung und ließ die Anker
der Baltischen Flotte in Richtung Fernost lichten. Konvois von Kohleschiffen
wurden zusammengestellt, um rechtzeitig die notwendigen Ladungsmengen
bereitzustellen, die die Flotte bis zu ihrem fernen Ziel benötigte. Aufgrund
diplomatischer Zwänge musste eine der Umladungen von Kohle auf hoher See
vorgenommen werden.
Die Russen kamen in Süden Chinas, wo sie Kurs auf den Hafen von
Wladiwostok nahmen, der einzige zur Verfügung für die Manöver der Flotte. Um
dahin zu gelangen gab es drei Routen: als beste Variante die Tsushima-Route;
die anderen beiden verliefen östlich von Japan, vergrößerten das Risiko und
bedeuteten einen enormen Aufwand an Schiffen und Besatzung. Den gleichen
Gedanken hatte der japanische Admiral, legte daraufhin seinen Plan fest und
positionierte seine Schiffe, hauptsächlich Kreuzer, so dass die japanische
Flotte, wenn sie in U-Form navigierte, etwa 6000 Meter Abstand zu den
gegnerischen Schiffen vorbeilief, darunter vielen Panzerschiffen alle in
Reichweite der japanischen Kreuzer, die mit sehr gut ausgebildeten Kanonieren
besetzt waren. Infolge der langen Fahrt liefen die russischen Panzerschiffe nur
mit einer Geschwindigkeit von 8 Knoten, die Japaner mit 16 Knoten.
Dieses militärische Ereignis ist unter dem Namen Schlacht von Tsushima
bekannt, die am 27. und 28. Mai 1905 stattfand.
Auf russischer Seite waren elf Panzerschiffe und acht Kreuzer beteiligt.
Befehlshaber der Flotte: Admiral Zinovy Rozhdestvensky.
Verluste: 4380 Tote, 5917 Verwundete, 21 Schiffe versenkt, 7 Schiffe
gekapert und 6 kampfunfähig.
Der Befehlshaber der russischen Flotte wurde von einem
Projektilfragment am Schädel verwundet.
Auf japanischer Seite waren 4 Panzerschiffe und 27 Kreuzer beteiligt.
Befehlshaber der Flotte: Admiral Heichachiro Togo.
Verluste: 117 Tote, 583 verwundete und 3 Torpedoschiffe versenkt.
Die Baltische Flotte war vernichtet. Napoleon hätte sie als Austerlitz auf
See bezeichnet. Jeder kann sich vorstellen, welch tiefe Wunde dieses
dramatische Ereignis im traditionellen russischen Stolz und Patriotismus
hinterlassen hat.
Nach dieser Schlacht wurde Japan zu einer gefürchteten Seemacht und
zum Rivalen für Großbritannien und Deutschland und konkurrierte mit den
Vereinigten Staaten von Amerika.
Japan griff auch in folgenden Jahren auf das Konzept der Panzerschiffe
als Hauptwaffe zurück. Es stellte sich die Aufgabe, die Armee des japanischen
Reiches zu verstärken. Auf einer britischen Werft wurde der Bau eines
Spezialkreuzers in der Absicht in Auftrag gegeben und bezahlt, ihn auf
japanischen Werften nachzubauen. Später wurden Panzerschiffe gebaut, die
andere zeitgenössische Schiffe dieser Art an Panzerung und Stärke übertrafen.
Es gab auf der Erde in den 1930er Jahren keine andere Nation, die mit
den japanischen Bautechnik von Kriegsschiffen mithalten konnte.
Das erklärt die Furcht einflössende Aktion, mit der sie eines Tages ihren
Lehrmeister und Rivalen, die Vereinigten Staaten von Amerika angriffen, die sie
einst unter Kommodore Perry auf den Kriegspfad geführt hatte.
Die Fortsetzung folgt morgen.
Teil 2
Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Jahr 1914 stellt China sich auf die Seite
der Alliierten. Als Kompensation bietet man dem Land die Rückgabe der deutschen
Konzessionen in der Provinz Shandong nach Beendigung des Krieges an. Beim
Abschluss des Versailler Abkommens, der Freunden und Feinden vom US-Präsidenten
Woodrow Wilson auferlegt wurde, werden die deutschen Siedlungen Japan, einem
mächtigeren Verbündeten als China, übereignet.
Diese Handlung verursachte den Protest tausender Studenten, die sich am 4. Mai
1919 auf dem Platz Tiananmen versammelten. Dort begann die erste siegreiche
nationalistische Bewegung in China. Sie nannte sich „4. Mai“. Das Kleinbürgertum und
die nationale Bourgeoisie gehörten zusammen mit den Arbeitern und Bauern zu ihr.
Die nationalistische Strömung hatte sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts und zu
Beginn des 20. herausgebildet und festigte sich mit der Gründung des Kuomintang, das
heißt der Nationalen Volkspartei, unter Führung von Doktor Sun Yat-sen, einem
fortschrittlichen Intellektuellen und Revolutionär, auf den die Sozialistische
Oktoberrevolution sehr große Wirkung ausübte und zu der er seine Beziehungen
intensivierte.
Die Kommunistische Partei von China wurde auf einem Kongress gegründet, der
in der Zeitspanne vom 23. Juli bis zum 5. August 1921 stattfand. Lenin schickte
Vertreter der Internationale zu jenem Kongress.
Die kommunistische Bewegung widmete sich der Wiedervereinigung von China.
Zu den Gründern gehörte der junge Mao Zedong. In den Jahren 1923 und 1924 wird die
Antiimperialistische Einheitsfront der KPCh und des Kuomintang gebildet.
Im März 1925 stirbt Sun Yat-sen und Chiang Kai-shek übernimmt die Macht,
wobei er besonders darauf bedacht ist, mittels seiner starren Führung den chinesischen
Süden, besonders das Gebiet von Shanghai, zu kontrollieren.
Chiang sympathisierte nicht mit der kommunistischen Doktrin, und im Jahr 1927
begann er einen groß angelegten Unterdrückungsprozess gegen die Kommunisten in
den Einheiten der Nationalen Revolutionsarmee, in den Gewerkschaften und in anderen
gesellschaftlichen Bereichen des Landes, besonders in Shanghai. Er unterdrückte
ebenfalls stark die Linke innerhalb der Kuomintang. Nach 5monatlicher militärischer
Besetzung der Mandschurei errichtete Japan im Jahr 1932 den Staat Manschukuo, was
eine große Gefahr für China darstellte. Chiang Kai-Shek startete fünf Feldzüge zur
Einkesselung und Vernichtung der Kommunisten, welche in den im Süden des Landes
errichteten Stützpunkten standhaft blieben.
Mit jenen, denen es gelang, dem Verrat von Chiang Kai-shek im Jahr 1927 zu
entkommen, leitete Mao Zedong in den bergigen Gebieten der Provinzen Jiangxi
und Hunan, in einem großflächigen Gebiet, die Gründung des Zentrums für den
bewaffneten Widerstand, das in seinem Kern von konsequenten und gut organisierten
Kommunisten gebildet wurde und sich als Chinesische Sowjetrepublik bezeichnete.
In der Konfrontation mit den zahlenmäßig viel stärkeren nationalistischen Kräften
von Chiang Kai-shek, initiierten circa 100 000 chinesische Kämpfer unter Führung von
Mao im Jahr 1934 unter Umgehung des Zentralteils den Langen Marsch Richtung
Nordwesten. Ihr Weg führte sie über mehr als 6 000 Kilometer, wobei sie ständig auf
der ganzen Wegstrecke und über mehr als ein Jahr kämpften, was eine Heldentat
ohnegleichen darstellte und Mao zum unbestreitbaren Führer der Partei und der
Revolution in China machte. Die Anwendung der Ideen von Marx und Lenin auf die
politischen, wirtschaftlichen, natürlichen, geographischen, sozialen und kulturellen
Voraussetzungen von China haben ihn als einen genialen politischen und militärischen
Strategen der Befreiung eines Landes ausgezeichnet, dessen Gewicht in der jetzigen
Welt nicht unterschätzt werden darf.
Der zweite chinesisch-japanische Krieg begann am 7. Juli 1937. Die Japaner
haben wohl überlegt den Zwischenfall verursacht, der den Krieg auslöste. Ein
japanischer Soldat verschwindet bei einer Militärparade seiner Armee auf der Brücke
Marco Polo, die über einen Fluss 16 Kilometer westlich von Beijing führt. Die am
anderen Flussufer stationierte chinesische Armee wird beschuldigt, den Soldaten
entführt zu haben und es wird ein Kampf von mehreren Stunden verursacht. Dieser
erscheint fast unmittelbar erneut. Die Beschuldigung war falsch, aber der japanische
Befehlshaber hatte schon den Befehl zum Angreifen gegeben. Tokio stellte mit der
gewohnten Arroganz Bedingungen, die für China nicht akzeptierbar waren, und befahl
die Entsendung von drei seiner mit den besten Waffen ausgerüsteten Divisionen.
Innerhalb weniger Wochen kontrollierte die japanische Armee den Ost-West-Korridor
vom Golf von Chihli – heute Bo Hai – bis nach Beijing.
Ausgehend von Beijing wendete sie sich nach Nanjing, dem Sitz der Chiang
Kai-shek-Regierung. Sie führten eine der schrecklichsten terroristischen Kampagnen
der Kriege der modernen Zeit durch. Die Stadt wurde, ebenso wie andere ähnliche,
dem Erdboden gleichgemacht, mehrere zehntausend Frauen wurden vergewaltigt und
mehrere hunderttausend Menschen wurden brutal ermordet.
Die Kommunistische Partei Chinas hatte den Kampf um die nationale Einheit
gegen den japanischen Plan zur Priorität gemacht. Die Zielstellung dieses Plans
bestand darin, sich des enormen Landes und seiner Naturreichtümer zu bemächtigen
und über 500 Millionen Chinesen der unbarmherzigen Knechtschaft zu unterwerfen.
Japan suchte Lebensraum. Seine Haltung war eine Mischung von Kapitalismus und
Rassismus: es war die japanische Version des Faschismus.
Die Einheitsfront gegen Japan wirkte schon in jenem Jahr 1937. Die Nationalisten
waren sich ebenfalls der Gefahr bewusst. Japan besetzte den Großteil der
Küstenstädte. Als der Zweite Weltkrieg zu Ende ging, betrugen die chinesischen
Verluste Millionen Menschen.
Während des epischen Kriegsgeschehens wurde der Kampf der Kommunisten
gegen die Invasoren immer intensiver und sie verursachten Letzteren sensible
Schäden.
Die Vereinigten Staaten gaben den Kommunisten und den Nationalisten
Unterstützung. Da ihnen klar wurde, dass ihr Kriegseintritt unmittelbar bevorstand,
beantragten sie bei der chinesischen Regierung eine Genehmigung zur Entsendung
einer Freiwilligen-Kolonne. So wurde die Luftwaffe-Einheit Fliegende Tiger geschaffen.
Roosevelt schickte Flugkapitän i. R. Lee Chenault, der in Ausübung seiner Aufgabe
seine Bewunderung für die Disziplin, die Taktik und die Effizienz der kommunistischen
Kämpfer zum Ausdruck brachte.
Nach dem Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 erfolgte der Kriegseintritt
der Vereinigten Staaten. Jedoch konnte Japan zu keinem Zeitpunkt seine
Elitentruppen, die gegen Kriegsende eine Million Soldaten betrugen, aus China
abziehen.
Chiang Kai-shek, von der Truman-Regierung – die als eine Terrorhandlung die
Atomwaffen gegen die Zivilbevölkerung von Japan anwendete – in den starken Mann
der Vereinigten Staaten verwandelt, begann erneut den antikommunistischen
Bürgerkrieg, aber seine demoralisierten Truppen konnten der unhaltbaren Angriffswelle
der Chinesischen Volksarmee nicht standhalten.
Als jener Krieg im Oktober 1949 zu Ende war, sind die Kuomintang-Leute mit
Unterstützung der Vereinigten Staaten nach Taiwan geflohen, wo sie unter voller
Rückendeckung der Yankees eine antikommunistische Regierung errichteten. Chiang
Kai-shek nutzte die US-Flotte für seine Reise nach Taiwan.
Ist China etwa ein dunkler Winkel der Welt?
Schon bevor Troja errichtet wurde und in den Stadtstaaten von Griechenland die
Ilias und die Odyssee verbreitet wurden, die ohne Zweifel wunderbare Schöpfungen der
menschlichen Intelligenz sind, entwickelte sich an den breiten Ufern des Gelben
Flusses eine mehrere Millionen Menschen umfassende Zivilisation.
Die Wurzeln der chinesischen Kultur befinden sich in der Zhou-Dynastie, 2000
Jahre vor Christus. Ihre eigentümliche Schrift beruht auf mehreren tausend
Schriftzeichen, die normalerweise Worte oder Morpheme (ein Begriff der modernen
Linguistik, welcher der nicht mit dem Thema vertrauten Allgemeinheit wenig bekannt ist)
der Sprache darstellen. Wir sind alle weit davon entfernt, den mysteriösen Zauber jener
Sprache zu verstehen, deren Erlernen die natürliche Intelligenz der chinesischen Kinder
entwickelt.
Viele jener Erzeugnisse, die in China entstanden sind, wie zum Beispiel das
Schießpulver, der Kompass und andere, waren auf dem Alten Kontinent vollkommen
unbekannt. Wenn die Winde entgegengesetzt zu der von Kolumbus gefolgten Route
blasen würden, dann hätten vielleicht die Chinesen Europa entdeckt.
Seit dem Jahr 2000 regierte in Taiwán eine Partei, deren neoliberale und proimperialistische Politik noch schlimmer war, als die traditionelle der Kuomintang, die
entschlossener Befürworter dessen ist, Schluss mit dem Prinzip eines einzigen China
zu machen, das seit langer Zeit von der Kommunistischen Partei Chinas ausgerufen
wurde. Diese dornige Angelegenheit konnte – wie ein modernes Damoklesschwert
über den Köpfen von 1,3 Milliarden Chinesen -einen Krieg von unvorhersehbaren
Folgen auslösen.
Dass am 23. März der Kandidat jener Partei gewählt wurde, die ehemals die
politische Grundlage für Chiang Kai-shek bildete, stellt ohne Zweifel in der Tat einen
politischen und moralischen Sieg von China dar. Das entfernt in Taiwán eine Partei von
der Macht, welche knapp acht Jahre regiert hat und dabei war, neue und unheilvolle
Schritte zu unternehmen.
Wie die Nachrichtenagenturen berichten, war ihre Niederlage überwältigend, da
sie nur 4,4 Millionen Stimmen der 17,3 Millionen stimmberechtigten Wähler erhielt.
Der neue Präsident wird am 20. Mai sein Amt antreten. „Wir werden einen
Friedensvertrag mit China unterzeichnen“, erklärte er.
Die Agenturmeldungen teilen mit, dass “Ma Ying-jeou Befürworter der Schaffung
eines Gemeinsamen Marktes mit China ist, welches Haupthandelspartner der Insel ist.”
Die Volksrepublik China zeigt sich gegenüber der dornigen Angelegenheit würdig
und vorsichtig. Der Regierungssprecher im Amt für Taiwán-Angelegenheiten im
Staatsrat von Beijing erklärte, dass der Sieg von Ma Ying-jeou beweist, “dass die
Unabhängigkeit unter den Taiwanern nicht populär ist”. Mit dieser lakonischen Botschaft
wird viel ausgesagt.
In einigen von anerkannten Forschern der Vereinigten Staaten ausgearbeiteten
Abfassungen wurde das veröffentlicht, was im chinesischen Gebiet von Tibet geschah.
Im Buch The CIA`s Secret War in Tibet, von Kenneth Conboy der University
Press aus Kansas – werden die schmutzigen Machenschaften der Verschwörung
beschrieben. William Leary bezeichnet es als “eine ausgezeichnete und
beeindruckende Untersuchung über eine der wichtigsten Geheimoperationen des CIA
während des kalten Krieges“.
Im Verlaufe von zwei Jahrhunderten hatte kein einziges Land der Welt den Tibet
als unabhängige Nation anerkannt. Man betrachtete es als einen Bestandteil von
China. Im Jahr 1950, nach dem Sieg der kommunistischen Revolution, sah es Indien
so. England hat dieselbe Haltung angenommen. Die Vereinigten Staaten betrachteten
es bis zum Zweiten Weltkrieg als Bestandteil von China und haben sogar England in
diesem Sinn unter Druck gesetzt. Jedoch sahen sie es nach dem Krieg als ein
religiöses Bollwerk gegen den Kommunismus an.
Als die Volksrepublik China in den tibetanischen Gebieten die Agrarreform
durchführte, akzeptierte deren gesellschaftliche Elite es nicht, dass ihre Besitztümer
und Interessen beeinträchtigt würden. Das führte 1959 zu einem bewaffneten Aufstand.
Die bewaffnete Rebellion im Tibet wurde – im Unterschied zu denen von Guatemala,
Kuba und anderen Ländern, wo sie unter Zeitdruck handelten – jahrelang von den
Geheimdiensten der Vereinigten Staaten vorbereitet, wie aus den vorher genannten
Untersuchungen hervorgeht.
Ein weiteres Buch, Buddha´s warriors, – das in diesem Fall apologetisch für den
CIA ist – und dessen Autor Mikel Dunshun ist, berichtet, wie die Institution mehrere
hundert Tibetaner in die Vereinigten Staaten brachte, wie sie die Rebellion leitete,
ausrüstete, Fallschirme mit Waffen schickte, jene in dessen Bedienung ausbildete,
wobei sie sich gleichzeitig auf Pferden fortbewegten, wie es die arabischen Guerilla-
Kämpfer taten. Das Vorwort des Werks wurde von Dalai Lama geschrieben, der
Folgendes zum Ausdruck bringt: “Auch wenn ich tief in meinem Inneren das Gefühl
habe, dass der Kampf der Tibetaner nur durch ein langfristiges Konzept und unter
Verwendung friedlicher Mittel siegreich sein kann, habe ich doch immer jene
Freiheitskämpfer wegen ihrem Mut und ihrer unerschütterlichen Unerschrockenheit
bewundert.”
Jener Dalai Lama, der mit der Goldenen Medaille des US-Kongresses
ausgezeichnet wurde und George W. Bush wegen seiner Bemühungen zugunsten der
Freiheit, der Demokratie und der Menschenrechte lobte.
Der Krieg in Afghanistan wurde vom Dalai Lama als eine “Befreiung” bezeichnet,
der Krieg in Korea als eine “fast-Befreiung” und der von Vietnam als ein “Scheitern”.
Ich habe eine straffe Zusammenfassung der dem Internet entnommenen Angaben
gemacht, besonders aus der Website von Rebelión. Aus Raum- und Zeitgründen habe
ich nicht die Seiten der Bücher angegeben, aus denen die verwendeten Zitate
stammen.
Es gibt Menschen, die unter Chinesen-Phobie leiden, eine recht verbreitete
Gewohnheit bei Vielen im Westen, die aufgrund der andersartigen Erziehung und Kultur
daran gewohnt sind, alles was aus China kommt mit Verachtung zu betrachten.
Ich war praktisch noch ein Kind, als man schon von der “gelben Gefahr” sprach.
Die chinesische Revolution schien damals etwas Unmögliches; die wirklichen Gründe
der chinesenfeindlichen Haltung waren als solche rassistische.
Warum ist der Imperialismus so sehr bemüht, China direkt oder indirekt einer
Zermürbung auf internationaler Ebene zu unterwerfen?
Einst, das heißt vor 50 Jahren, um dem Land die heldenhaft verdienten Vorrechte
als ständiges Mitglied des Sicherheitsrates zu verweigern; später, aufgrund der
begangenen Fehler, die zu den Protestaktionen von Tiananmen führten, wo die
Freiheitsstatue glorifiziert wurde, welche ein Symbol eines Imperiums ist, das
heutzutage die Verneinung jeglicher Arten von Freiheit ist.
Die Gesetzgebung der Volksrepublik China hat sich bei der Ausrufung und
Anwendung der Achtung von Recht und Kultur der 55 ethnischen Minderheiten
besondere Mühe gegeben.
Die Volksrepublik China ist gleichzeitig äußerst empfindlich in Bezug auf alles, was
mit der Integrität ihres Hoheitsgebiets zu tun hat.
Die gegen China geführte Kampagne ist wie ein Trompetensstoß, der zum Angriff
ruft, um dem verdienten Erfolg des Landes und seines Volkes als Gastgeber der
nächsten Olympischen Spiele den Glanz zu nehmen.
Die Regierung von Kuba hat eine kategorische Erklärung in Unterstützung von
China bezüglich der in Verbindung zum Tibet gegen das Land gestarteten Kampagne
abgegeben. Diese Haltung war korrekt. China achtet das Recht der Bürger, einen
Glauben zu haben oder nicht. In jenem Land gibt es muslimische, christlich katholische
oder nicht katholische Gruppierungen von Gläubigen, Gläubige anderer Religionen und
mehrere Dutzend ethnische Minderheiten, deren Rechte in der Verfassung abgesichert
sind.
In unserer Kommunistischen Partei ist die Religion kein Hindernis, um
Parteimitglied zu sein.
Ich achte das Recht des Dalai-Lama auf seinen Glauben, aber ich bin nicht dazu
gezwungen, an den Dalai-Lama zu glauben.
Ich habe viele Gründe, an den chinesischen Sieg zu glauben.
Fidel Castro Ruz
30./31. März 2008