Charly und das Milchprojekt - Interview mit Anja Höschel
Vorbemerkung: Anja Höschel weilt mit einer Gruppe von Cuba Sí, Arbeitsgemeinschaft der PDS, in Kuba
ND vom 31.8.04
Frage:Mit welchem Ziel sind Sie nach Kuba gereist?
A. Höschel: Wir werden 3 Wochen in dem Milchprojekt in der Genossenschaft „Niña Bonita“ in der Provinz Sancti Spíritus arbeiten, das Cuba Sí in Zusammenarbeit mit der Kubanischen Vereinigung für Tierproduktion (ACPA) unterstützt. Das ist für uns eine gute Gelegenheit, die Landarbeiter-innen und ihr tägliches Leben besser kennen zu lernen sowie uns über den Verlauf des Projektes zu informieren.
Frage: Bekanntlich war Kuba im ersten Halbjahr 2004 von einer extrem Dürre betroffen. Hatte diese Auswirkungen auf das Projekt in „Niña Bonita?
A. Höschel: Es war die größte Trockenheit der letzten 40 Jahre in Kuba und sie hat alle Provinzen betroffen, auch die Region, in der sich dieses Projekt befindet. Die größten Probleme bestehen darin, dass die Bauern wegen fehlender Niederschläge mit dem Anbau von Futterpflanzen im Rückstand sind. Das kann sich für das kommende Jahr negativ auswirken, da sich die Milcherzeugung vor allem auf Eigenversorgung durch Feld- und Weidewirtschaft stützt, also ohne Zugabe von Kraftfutter erfolgt.
Frage: Also gibt es Verlust in der Genossenschaft?
A. Höschel: Als im April und den folgenden Monaten die Regenzeit nicht rechtzeitig einsetzte, die Weiden nicht genügend Grünfutter boten und die im Vorjahr geschaffenen Reserven aufgebraucht waren, musste Futter zugekauft werden. Dieser zusätzliche finanzielle Aufwand konnte nicht durch Milch- und Fleischverkauf ausgeglichen werden. Unser Projektleiter Basilio Echevarría hervor, dass nicht wie in anderen Einrichtungen Rinder notgeschlachtet werden mussten und die Milcherzeugung gewährleistet blieb, wenn auch mit niedrigeren Ergebnissen als geplant. Das führt er übrigens in erster Linie auf die Projektarbeit zurück, durch die günstigere Bedingungen in der Futterwirtschaft geschaffen wurden. Zur Zeit werden große Anstrengungen unternommen, um den Rückstand beim Futteranbau und der Verbesserung der Weiden aufzuholen.
Frage: Sie sind eine Woche nach dem Hurrikan Charley in Kuba eingetroffen?
A. Höschel: Wir waren einen Tag in Havanna-Land, bevor wir nach Sancti Spíritus weiterfuhren. Mir fehlen jetzt noch die Worte, um das zu beschreiben, was ich gesehen habe. Dieser Hurrikan ist ja nur über die Stadt Havanna und die Provinz Havanna-Land hinweggefegt, mit Windstärken zwischen 165 bis 250 km/h und leider mit sehr wenig Regen. Er hat vor allem Schäden an Gebäuden und landwirtschaftlichen Kulturen verursacht, in einzelnen Ortschaften wurden die Häuser zu 90% zerstört. Planierte Bananeplantage, zerstörte Yuccafelder....das tu weh. Denn ich weiß, wie viel Mühe der Anbau und die Pflege kosten. Offiziell wird der Schaden mit über 1 Milliarde Dollar beziffert.
Fragen: Cuba Sí unterstützt auch Milchprojekte in der Provinz Havanna. Wie sieht es dort aus?
A. Höschel: Darüber haben wir uns vor Ort informiert. Denn ein Projekt im Valle del Perú, in dem Betrieb Nazareno, hatten gerade mit sehr guten Ergebnissen Ende Juni abgeschlossen, ein weiteres im Betrieb Zenea steht am Anfang. Der Schaden war glücklicherweise begrenzt. Es wurden „nur“, wie uns die Kubaner versicherten und wir teilweise sahen, 250 Dächer abgedeckt und 150 oberirdische Wasserleitungen zerstört. Die Wohnhäuser und Ställe, die mit Spendenmitteln gebaut oder instand gesetzt wurden, waren nicht betroffen. Da hat es sich wirklich gelohnt, dass wir zusammen mit ACPA auf eine stabile und sichere Bauweise orientierten.
Frage: 1 Milliarde Dollar ist ein enormer wirtschaftlicher Schaden für Kuba. Wie sieht die Unterstützung durch Cuba Sí aus?
A. Höschel: Das Netzwerk Cuba –informationsbüro- e.V. hat sofort nach dem Hurrikan reagiert und es wurden Sägen gekauft, um die Stadt Havanna von den umgestürzten Bäumen zu befreien. Immerhin müssen 300m3 Holz geräumt werden. An dieser Soforthilfe haben wir uns mit 5.300 Euro beteiligt.
Priorität hat unsere Unterstützung für die Milchproduzenten. Das gilt für den Betrieb im Valle del Perú und zusätzlich werden wir auf Bitte der ACPA im Rahmen der Kampagne „Milch für Kubas Kinder“ eine einmalige Unterstützung für den Milchviehbetrieb „Los Naranjos“ in der Provinz Havanna vornehmen. Dort sind 174 Stallanlagen, vor allem die Melkanlagen schwer beschädigt worden.. „Los Naranjos“ ist mit einem Herdenbestand von 27.000 Rindern der führende genetische Zuchtbetrieb der Provinz und erzeugt 30% des Milchaufkommens von Havanna-Land. Vor dem Hurrikan lieferte der Betrieb 20.400 Liter Milch täglich, am Tag danach waren es nur 1.500 Liter, jetzt hat sich die Produktion auf 12.600 Liter eingepegelt. Schnelles Handeln ist geboten, um alle Anlage wieder herzustellen und das ursprünglich Produktionsniveau zu erreichen.
Spendenkonto. Parteivorstand der PDS/Cuba Sí
Berliner Sparkasse (100 500 00)
Konto-Nr. 13 2222 10
VWZ: Milch für Kubas Kinder