„Fidel Castro. Mein Leben“ von Ignacio Ramonet
Kurz nach Mitternacht appellierte Fidel Castro an den venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez. Er solle das Leben seiner Leute schützen, mahnte Kubas Staatschef bei einem Telefonat. „Opfere sie nicht, opfere auch Dich nicht.“ Es war der 12. April 2002 und Chavez hatte sich nach einem gegen ihn gerichteten Staatsstreich mit mehreren hundert Anhängern im Präsidentenpalast verschanzt.
Im Interview mit dem Journalisten Ignacio Ramonet erinnerte sich Castro genau an diese Ereignisse. „Ich hatte nicht den geringsten Zweifel, dass Chavez binnen kürzester Zeit auf den Schultern seines Volkes und seiner Truppen zurückkehren würde“, sagte er. Ramonet gab diese und andere Anekdoten aus dem Leben des „Maximo Lider“ in Frage-Antwort-Form auf fast 800 Seiten wieder. Vorangegangen waren in drei Jahren mehr als 100 Stunden Interview - meistens nachts. Nun ist das Buch mit dem Titel „Fidel Castro - Mein Leben“ auch auf deutsch erschienen.
Der Programmchef des Rotbuch-Verlags, Moritz Kienast, beschrieb das autorisierte Werk am Mittwoch bei der Vorstellung in der kubanischen Botschaft in Berlin als Mischung aus Memoiren und Abenteuerroman. „Man liest es wie die Bibel“, sagte er. Nicht von Anfang bis Ende, sondern man springe - je nach Interesse - von einer Stelle zur anderen. Es sei aber auch „keine Heiligenschrift“, betonte er. Schließlich stelle Ramonet eine Reihe kritischer Fragen. Befragt wird Castro etwa zu Menschenrechten, der Verhaftung von Dissidenten und der Todesstrafe.
Der kubanische Botschafter in Deutschland, Gerardo Penalver Portal, sagte, über Castro sei bereits viel geschrieben worden. Ramonet aber habe ihm erstmals selbst das Wort übergeben. Und anstelle der gewohnten „langen Reden“ zu politischen Themen, könnten die Leser Castro nun auch als Mensch nahekommen. In Kuba sei die Nachfrage daher groß. Das Buch gebe es dort zu einem „sehr bescheidenen Preis“.
Beim Rotbuch-Verlag zeigte man sich derweil „glücklich“, dieses „wichtige Buch“ im Programm zu haben. Der Vertrieb sei ihm ein „Herzensanliegen“, sagte Verleger Matthias Oehme. „Ich habe mir nicht vorstellen können, dass wir das Buch überhaupt kriegen.“ Die Präsentation in der kubanischen Botschaft sei dem Verlag „sinnvoll und geeignet“ erschienen.
So endet die Präsentation auch mit einem Blick auf den Erzfeind USA. Castro habe im Amt neun US-Präsidenten überlebt, hob Verlags-Mitarbeiter Kienast hervor. Einen habe er geradezu verehrt:
John F. Kennedy. Kienast sagte, es habe in dessen Amtszeit bereits Annäherungsversuche zwischen Kuba und den USA gegeben. Aber dann kam das Attentat auf Kennedy.
Eine mögliche neue Chance für bessere Beziehungen sieht Botschafter Portal nach den bevorstehenden US-Präsidentschaftswahlen. Er rechne damit, dass die künftige Administration gezwungen sein werde, die langjährige Wirtschaftsblockade aufzuheben. Der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama sich zudem bereits zu Gesprächen bereiterklärt.
Der Rotbuch-Verlag konnte indessen auch über eigene Erfahrungen mit dem Embargo berichten. So hätten Bücher die Außenstelle der kubanischen Botschaft in Bonn nicht erreicht, weil der beauftragte Kurier - ein US-Unternehmen - sich geweigert habe, in das „exterritoriale Gebiet“ zu liefern. (Ignacio Ramonet: „Fidel Castro. Mein Leben“, Rotbuch Verlag, 2008, 29,90 Euro, ISBN 978-3-86789-038-0)
Hannoversche Allgemeine vom 22. Oktober 2008 |